Zitierte Erich Fried Romantik
Die Onlinesuche bietet ungeahnte Vorteile. Frau kann sich dort prima die Zeit vertreiben. Wenn die liierten Freunde mal alle wieder keine Zeit haben, das TV Programm außer „Sarah and Marc crazy in love“ (ok war alles gelogen wie wir jetzt wissen) und ähnlichen Blödsinn nichts zu bieten hat, der Weltraumpickel auf der Nase es ohnehin unmöglich macht, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren kann man sich in so einer Community prima die Zeit vertreiben. In melancholischen – ok in selbstmitleidigen – Momenten kann Frau das Gefühl entwickeln, unter Gleichgesinnten zu sein, eben „einsame, unverstandene Herzen“. Ich gebe zu, für solche Gedanken muss es einem richtig schlecht gehen. Ansonsten bietet sich ein eher ganz großes Kino mit prima Unterhaltungswert.
Studiert man die Profile – und damit meine ich nicht die Fotos – fällt schnell auf, Mann bedient sich gerne schlauer Sprüche anderer. Nach dem ich im gefühlten 800sten Profil „Carpe Diem“, in seltenen Fällen – das sind wohl die frivolen Männer – „Carpe Noctem“ gelesen habe, dachte ich, der Mann, der jetzt etwas anderes schreibt – den schreibe ich an und bitte um ein sofortiges Treffen!
Die Profile mit den „anderen“ Statements waren schnell gefunden – denn die bedienen sich der Gedichte von Erich Fried. Meine Phantasie fängt an überzuboarden. Stehen die dann mit einer Rose zwischen den Zähnen vor mir und zitieren? Also soooo übertrieben romantisch bin ich gar nicht, dass ich das zauberhaft finden könnte. Pipi hätte ich wohl trotzdem in den Augen, ich bin ja nicht gefühllos, aber doch eher vor peinlicher Berührtheit als vor verliebter Rührung.
Gut, weitersuchen! Ah ja hier wird es mal persönlicher und weniger romantisch verklärt. Ich lese Sätze von Unterwerfung, Erniedrigung, Fetisch, Dominanz, devot – und schiele schnell mal nach oben zum Pseudonym – ah ja die Jungs nennen sich „BDSMler“, „DOMsuchtDEV“ oder „SM4U“. Schnell erkenne ich, auch hier wurden Werke anderer genutzt wie z.B. vom guten Sokrates. Andere wiederum geben schon im Text den Ablaufplan einer gemeinsamen Nacht vor. Mir drängt sich irgendwie der Gedanken auf, hier ist bei den Herren die Phantasie durchgegangen – sie haben mal etwas von BDSM gelesen und sind jetzt alle selbsternannte Experten. Seit man rosa Plüschhandschellen kaufen kann, ist das ja ganz gross in Mode.
Mensch, irgendwo müssen hier doch auch Profile sein, in denen ein Mann von sich erzählt. Die können doch sonst auf so gut reden. Ich werde ungeduldig und beginne mich zu langweilen. Vielleicht doch lieber „Crossing Jordan“ im TV schauen?
Zwischendurch flattert mir wieder Post ins Haus. Ein Mann aus der Provinz um Hamburg herum erklärt mir in nicht fehlerfreien Sätzen, dass ich zwar gut aussehe, aber wohl selbstbewusst sei und zudem auch noch Haare auf den Zähnen hätte. Das würden Männer nicht mögen und deswegen würde ich auch keinen finden.
Haare auf den Zähnen??!! Ich war gerade bei der Dentalhygiene – der hat wohl Tomaten auf den Augen! Männer mögen keine selbstbewussten Frauen? Ich gestehe, der Gedanke ist mir auch schon gekommen.
November 20, 2008 um 2:05
..lach.. ja, das kenn ich noch.. ist zum glück lange her (kurz nach der trennung vom ehemann, also irgendwann im letzten leben..)! da muss man verdammt viele frösche küssen, bis da mal was halbwegs menschlich-männliches dabei ist..
November 21, 2008 um 9:47
dann weiss ich jetzt, was ich dir zu weihnachten schenke. einen gedichtband für zukünftiges gemeinsames rezitieren (aber lass mich damit in ruhe, ich meine die herren) und heisswachs für die zähne.
gute idee