Das Gebiss
Im Laufe der Jahre verändert Frau ihre Ansichten und Ansprüche – so auch ich. War mir mit Anfang 20 wichtig, dass ein Mann unbedingt lange Haare hat, die vorzugsweise mit Pfirsichshampoo von Guhl gewaschen wurden, so ist mir die Haarpracht heute egal. Auch Glatzen sind sexy. Ok – was ich nicht leiden kann, sind ausgehende Haare, die zu kaschieren von Geheimratsecken von links nach rechts gekämmt werden. Oder lange Haare hinten und vorne Hubschrauberlandeplatz. Das ist unsexy.
Genauso wichtig war mir früher, dass der Mann meines Herzens die 190 cm überschritten hat. Ich liebe es einfach raufschauen zu können und mich ganz klein und zart zu fühlen. Zart komme ich mir sonst nämlich nie zu, schon eher ziemlich handfest. Heute kann ich mit viel Gefühl auch einen 178 cm Mann toll finden – allerdings sollte er nicht unbedingt die Figur eines Röntgenblattes haben. Ist einfach nicht so anziehend, wenn man das Gefühl hat, sich selbst im Arm zu haben.
Früher fand ich es auch extrem klasse, wenn mein Herzmann ein total ausgeflippter Typ war. Ein Revoluzzer eben. Man haben die mein Herz erwärmt! An deren Seite sah ich mich Revolutionen anzetteln, sah mich angekettet an Gleisen liegen, Walfängerschiffe kapern und ähnlich beeindruckendes. Und heute? Heute darf er gerne eine Runde spiessiger sein. Ich bins mittlerweile nämlich auch. Wie käme ich dazu, mich an Gleise zu ketten? Da werden nur die Klamotten schmutzig, meine Wimperntusche verschmiert und der Friseurbesuch war umsonst. Protest kann man heutzutage auch mit weniger Körpereinsatz zeigen.
Und es gibt noch viele andere Dinge, die mir heute wichtig sind, die mir damals völlig egal waren. Aber eines hat sich nie verändert! Ich mag auch heute noch gepflegte Zähne! Dabei meine ich nicht kerzengerade Gebisse, die können auch ruhig schief sein, aber sie müssen frei von jahrelang unbehandeltem Karies sein, es sollen sich keine Gebirge von Zahnstein auf ihnen tummeln, keine dunkelbraunen Nikotin- und Kaffeeflecke sollen zu sehen sein.
Ich hatte mein erstes Onlinedate – und auch wenn ich noch schwer gerührt von der Rose war, die er mitbrachte – ja ich bin nämlich echt romantisch – als er den Mund aufmachte , war jeglicher Zauber verflogen! Ich habe keine Ahnung, wie lange man die Dentalhygiene gemieden haben muss, um solche Zahnsteingebirge auf den Beisserchen zu haben! Der schon fast schwarze, faulig aussehende Eckzahn hat wohl seit seinem Wachstum keinen Zahnarzt gesehen. Es war das Grauen pur und ich schwer ernüchtert.
Und wie sollte es anders sein? Der Herr war von mir schwer angetan und bei der Verabschiedung sah es schwer danach aus, dass er mich gerne küssen würde. Ich hatte spontanen Gefrierbrand auf dem Kopf und überlegte, wie ich aus der Situation ohne Würgereiz komme. Wie ein glitschiger Aal wandt ich mich in der Abschiedsumarmung und schlüpfte unter seinem Arm weg. Ich wusste gar nicht, dass ich so gelenkig bin.
Fazit: Nächstes mal lasse ich mir ein Foto von den Zähnen schicken!
Dezember 6, 2008 um 9:22
Iiiihgittigittigitt! Wenn’s nicht so eklig wäre, könnte man das als komisches Erlebnis abhaken, immerhin gut für ein Posting.
By the way, an meinem Rechner im Büro habe ich zum ersten Mal Dein Blog-Layout gesehen, hier ist der Hintergrund undschuldig weiß.
Wer wird denn gleich so schwarz sehen? Elegant schon, aber Optimismus stelle ich mir farblich anders vor. Vielleicht grün wie die Hoffnung?
Schönes Wochenende!
P.
Dezember 10, 2008 um 9:50
Lach… hört sich arg nach „Frosch“ an….
Dezember 12, 2008 um 10:12
*schüttel* Über manche Dinge kann frau einfach nicht hinwegsehen. Wobei… eine Frau mit ähnlich mangelhafter Dentalhygiene wird wohl beim männlichen Geschlecht auch nicht so wahnsinnig gut ankommen. Oder doch? DAS würde mein Weltbild schon ins Wanken bringen.
Dezember 16, 2008 um 10:33
…außerdem gibt es das Pfirsichshampoo von Ghul noch nicht mal mehr!!!
tolle geschichten…
Dezember 16, 2008 um 10:45
@Suzy: Wie jetzt???? Das gibt es gar nicht mehr??!! Ich bin empört – und anscheinend ganz stark Anfang der 90iger Jahre hängen geblieben
@Frau W.: Ich glaube, ich muss dein Weltbild ins Wanken bringen ;( Kürzlich stellte mir ein Freund seine neue Errungenschaft vor – und ich war leicht geschüttelt – zwar keine kariösen Ruinen, aber tolle Raucher – und Rotweinbelege. Auf meine Frage, ob er denn nun auf Knutschen verzichten würde bekam ich nur ein ganz irritierten Fragezeichenblick
Mich dünkt, er hat das gar nicht gesehen
@Paula: Hmmm bei mir ist mein Blog schwarz/grau – vielleicht auch nicht unbedingt das, was man unter Farbe versteht, aber immerhin kein weiss. Ich geh dem mal auf die Spur.
@ Frau Vivaldi: Aber man muss echt nicht alle Frösche im Teich küssen