Rudeltiere
Aktuell gibt es nichts von der Datingfront zu berichten und auch meine Onlineaktivitäten halten sich in Grenzen. Im Moment würde ich sagen, ich werde im Netz überwintern – aber dafür ist es warm und gemütlich und absolut stressfrei. Weihnachten steht vor der Tür und da reicht mir der in ein paar Tagen kommende familiäre Stress.
Ich habe festgestellt, ich bin offenbar nie zufrieden! Furchtbare Erkenntniss, wo ich mich doch so um innere Zufriedenheit bemühe.
Als ich noch in Beziehung lebte – ja die Zeiten gab es auch – habe ich mich ab einem gewissen Zeitpunkt in der Beziehung nach meinem Singleleben gesehnt! Ich war genervt, fühlte mich kontrolliert, wenn die Frage kam „Wann bist du wieder zu Hause?“ oder „Wen hast du denn alles getroffen?“. Wenn ich gestresst und kaputt am Abend nach Hause kam und die Wohnung am liebsten für mich alleine gehabt hätte, war er da – ok, er lebte ebenfalls in der Wohnung, aber hätte er nicht auch mal ausgehen können? Manchmal war ich kurz davor, ihm 10 Euro mit den Worten „Mach dir einen schönen Abend!“ zu geben. Kamen meine Freundinnen über das Wochenende aus der ganzen Republik angereist, war kein Mädchenwochenende mehr möglich, denn ER hockte immer dazwischen. Nun sollte man meinen, es ist toll, wenn ER Anteil an meinem Leben nimmt – aber ne, mich hats genervt. Ich wollte meine Freiheit und Unabhängigkeit zurück. Streckenweise mutierte ich zum bockigen Kind und zickte ihn an was das Zeug hält. Verstanden hat er es nie – und fair war es von mir wohl auch nicht. Die Sonntage bei seinen Eltern waren irgendwann der blanke Horror für mich – zu fettes Essen mit Gemüse aus der Dose in einer überheizten Wohnung! Am Ende des Abends sah ich immer aus wie Rotkäppchen. Wer will das schon?
So – nun bin ich Single! Ich habe meine Wohnung für mich, ich bestimme, wer wann reinkommt, räume auf, wann ich es will und mülle mich zu, wie ich es will. Keine störenden Zahnbürsten im Bad, es riecht in der ganzen Wohnung nach weiblichen Düften, bei Duftkerzen muss ich nicht darauf achten, das ER Vanilie nicht leiden kann. Weiberabende oder Wochenende können spontan ohne männliche Einflüsse stattfinden, steht mir der Sinn nach einer durchzechten Nacht kann ich dies tun, ohne mich an – und abmelden zu müssen. Einmal die Woche kann ich mit einem guten Freund essen gehen, ohne argwöhnisch betrachtet zu werden, kann kochen was ich möchte oder mir auch dem 20 Tag in Folge Gyros vom Griechen meines Vertrauens holen. Zu PMS Zeiten kann ich Nachts in die Küche schleichen und ein ganzes Glas Nutella auffuttern ohne am nächsten Morgen mit einem Vorwurf „Och Mensch, du weisst doch, dass ich nur Nutella frühstücke“ konfrontiert zu werden. Endlich kann ich wieder 1 Stunde unter der heissen Dusche stehen ohne das ständig jemand an die Badtür klopft und irgendwas von „Ich muss mal“ faselt. Und das allergrösste für mich: Ich kann endlich am Morgen mit dicken Augen und einer Tasse Kaffee bewaffnet mit meinem Rechner frühstücken!
Sooo viele Vorteile als Single – wenn da nicht doch irgendwann das Gefühl kommen würde, was mache ich eigentlich mit all meinen Freiheiten und Freiräumen? Immer alleine Essen ist genauso ungesund wie einseitige Ernährung. Hat die Freundin keine Zeit, wenn ich etwas zu feiern habe, hocke ich alleine mit meinem Gesprächsbedarf da. Und überhaupt, findet sich niemand zum ausgehen, hocke ich alleine vor der Glotze. Keiner da, den ich fragen kann, ob mein Kleid gut sitzt – ok, diese Fragen hassen Männer, aber die gehören zum Beziehungswahnsinn dazu. Niemand da, der mir am Morgen, wenn ich aussehe wie ein Vollmond mit lächerlichem Hairstyling und das Sexappeal eines Kartoffelsacks habe, freudestrahlend sagt, wie schön und sexy ich sei. Es ist noch nicht mal jemand da, über den ich mich ärgern kann. Und die Sonntage, wenn alle Welt mit Freund oder Freundin unterwegs ist, um die Alster oder an der Elbe schlendert, sind auch ganz schön ruhig geworden und ich ertappe mich immer häufiger beim Wohnungsputz. Das kann es doch auch nicht sein!
Fazit: Der Mensch ist und bleibt ein Rudeltier mit Paarungsabsichten! Single oder Beziehung – beides hat Vor- und Nachteile! Das Singledasein ist nicht nur auch, sondern einfach nur anders bescheuert!
Dezember 18, 2008 um 2:28
So ist es doch aber immer – man will das, was man gerade nicht hat. Ist typisch. Und normal ist es auch.
Aber wenn es dann doch mal Mr Right ist, ist das alles Nebensache. Dann kriegst Du nicht genug von ihm.. Daran merkt mans meistens.. also, dass es der Richtige ist, meine ich.
Besinnliche Weihnachten ohne viel Stress wünscht FrauVau!
Dezember 18, 2008 um 8:49
Uuuuiiii schreibst Du von mir?
…schrecklich, oder? Was mir manchmal etwas Angst macht, ist der Gedanke, dass ich vielleicht nie wirklich zufrieden sein werde – egal wieviele Mr. Rights kommen. Mhmmmm.
Dezember 19, 2008 um 2:01
Sie, werte Frau Right, sagen es. ist doch fürchterlich nervenaufreibend, das Weihnachten.
Herzlichst und nervenaufgerieben
Ihre DiVa
Dezember 21, 2008 um 7:37
Hach, das kenn ich. Da sucht man, und findet, und dann ist es auch wieder nicht richtig… Ich glaube, das Nicht-Zusammenwohnen ist ein Teil der Lösung, falls man sich schnell eingeschränkt fühlt. Wenn die eigene Wohnung zugemüllt ist, kann man dann immer noch beim Liebsten weitermachen. Aber man muss weder auf die Spaziergänge an der Alster (oder, für meinen Fall, mangels Alster an anderen Gewässern) verzichten noch auf andere nette Dinge. Und trotzdem kann man seine Wäsche selbst waschen, und in zwei Decken eingewickelt noch mittags am Rechner hocken.
Und den vierten Advent rein kranztechnisch gründlich ignorieren.
Schönen Sonntag,
Lily
Dezember 28, 2008 um 10:06
Sitze mit fettigen Haaren vorm Rechner mit meinem Kaffee in meinem Zimmer, und mein Liebster, mit dem ich seit Jahrzehnten zusammen bin, hält sich nebenan in seinem Zimmer auf. Das geht auch, ist aber vermutlich eher selten. Er braucht seine kleinen Freiheiten genauso wie ich, das ist die Basis unserer Beziehung. Und dennoch teilen wir das gleiche Schlafzimmer.
Mein Bruder hat seit Jahrzehnten eine Wochenendbeziehung, auch sehr haltbar. (Mal sehen, ob die beiden sich auch noch mögen, sobald sie im Ruhestand sein werden.)
Also ich vertrete das Modell „sowohl als auch“ mit zumindest getrennten Zimmern oder getrennten Wohnungen.
Januar 8, 2009 um 9:36
ein paar monate lang konnte ich mich sehr gut mit deinen oberen absätzen identifizieren. bis ich draufgekommen bin, dass das, was ich hatte, eigentlich verdammt gut war. aber dann war er weg. nicht gut…
Mai 6, 2009 um 5:58
ich habe es gelesen
und ich finde du sagst das was viele denken
danke
LFG
einmalig-